Yunnan
Yunnan-Reise
Teil 1: Der Norden Yunnans
Kunming, die Stadt des Frühlings

21.1.05
Die Provinz Yunnan (云南) und der „warme“ China-Süden
Seit Tagen das erste Internetcafe das ich gefunden habe, um euch nun zu erzählen, dass ich hier in Xianggelila (香格里拉, auch Shangri-La), der letzten Stadt vor der tibetischen Grenze, fast festfriere!
Xianggelila (香格里拉)
Einige tausend Meter hoch sind wir hier und es ist ganz und gar nicht warm, heute hat es den ganzen Tag geschneit. Wir haben schon Handschuhe und lange Thermo-Unterwäsche gekauft... Doch es ist schön hier, wenige Touristen. Heute waren wir in einem großen buddhistischen Tempel der so ähnlich wie der in Lhasa sein soll, auf jeden Fall beeindruckend!Hutiaoxia: Die Schlucht des Springenden Tigers
Gestern hatten wir die Powertour, sieben oder acht Stunden zu Fuß unterwegs, in der Schlucht des Springenden Tigers (虎跳峡 hutiaoxia) in der Nähe von Lijiang (丽江), Provinz Yunnan. Erst waren wir nur an der Touristenattraktion, einmal die 100 Meter per Treppe runterlaufen, wildes Wasser des Yangtse angucken. Doch dann fanden wir noch einen Führer, der uns über Stock und Stein immer steil bergauf auf den hohen Pfad gebracht hat, vorbei an Geröll, chinesischen Terrasen, einem einsamen aber guten Restaurant im Nirgendwo. Landschaft gibt es wirklich unendlich viel verschiedene hier!
Lijiang und Minderheiten
Natürlich haben wir auch schon Minderheitendörfer besucht. Per Fahrrad von Lijiang aus. Ein Dorf namens Baisha. Dort fand gerade ein Hochzeit statt, doch da wollten wir nicht stören. Stattdessen haben wir einen berühmten Arzt in seinem Haus gesucht. Er hatte neben seinem Medizinkram auch noch abertausende Artikel aus Zeitungen aller Welt, Dr. Ho falls sich jemand erinnert :-) Dort gab es Tee und ein bisschen Unterhaltung. Überhaupt ist es sehr einfach (jedenfalls wenn man Chinesisch spricht) jemanden nach dem Weg zu fragen und dann zum Essen eingeladen zu werden. Bei Familien oder auch minikleinen Gasthäusern im Hintergarten zu essen ist einfach das beste was einem passieren kann. Gerade jetzt wo nicht so viele Leute hier rum sind, die Touristattraktion und Kartenkaufhäuschen großteils geschlossen sind, kann man auch mal in das richtige Leben hier reingucken. Natürlich gibt es auch die Städte wie Lijiang, die einerseits sehr gemütlich sind, aber wo man sich doch manchmal fragt ob die sich nicht in 10 Jahren in ein Disneyland verwandeln werden. Jedenfalls gibt es noch einiges zu entdecken, ab von der Touristenstraße. Am besten immer selber los, per Taxi oder öffentlichem Bus, dann irgendein billiges Hotel suchen.
Je weiter man von den Städten weg ist, desto freundlicher sind die Leute, hab ich so den Eindruck. Außerdem sprechen hier die meisten Leute besser Putonghua (普通话chin. Hochsprache) als wenn man sonst so um die Großstädte im Osten unterwegs ist. Uns geht es hier allen gut, ein bisschen kalt aber trotzdem wunderbar!
23.1.05
Eis, Schnee und Hotzelbusse
Also, ein kleiner Abriss unserer Situation: vor 4 Tagen sind wir mit dem nächtlichen Schlafbus aus Xianggelila (am Anfang der Himalaya) nach Dali (大丽) gefahren, nach den ständig unter null bleibenden Temperaturen, Schnee, Eis, Wind und zugefrorenen Klospülungen, d.h. konkret zugefrorenen Wassereimern, 3 Tage kein warmes Wasser und somit keine Dusche, keine Heizung und einfach alles anziehen was wir dabei hatten, neuen chinesischen(!) langen Unterhosen die natürlich viel zu eng (passen grademal gut an ein Bein) und unförmig waren, leichter Schüttelfrost und Fieber nachts, trotzdem einer in der Gruppe dabei der jeden Morgen zu neuen Taten drängt und nie müde wird, sich auch nicht um seine Mitreisenden zu kümmern scheint... War ansonsten eine schöne Zeit dort oben in den Bergen, ruhiges Bergdorf, riesiges Buddhakloster das angeblich fast so sein soll wie das in Lhasa, einen Tag mit einem Führer durch die Schlucht des Springenden Tigers (虎跳峡 hutiaoxia) über Stock und Stein und mit leckerem Essen in einem Dorf zwischen grünen Reisterassen. Oben auf dem Kloster wurde die Luft allerdings schon etwas dünn bei den etwa 3300 Metern Höhe. Vielleicht waren deswegen die Menschen so still und friedlich. Doch für mich hieß die dünne Luft Bauchdrücken und Kopfweh. DANN, vom Regen in die Traufe, ab in den Nachtbus. Beim letztenmal von Kunming nach Lijiang konnten wir ja richtig gut schlafen, man liegt ganz gerade in Betten während der Bus fährt. Doch dieser Bus war viel enger gequetscht, kaum Platz und niemand wollte neben der kranken Frau schlafen. Immerhin, sie hat nicht an die Fenster gespuckt wie manche andere im Bus! Die Fahrt ging ewig. Straße war so schlecht wie man sich nur denken kann, da blieb kein Auge zu. Erst am Ende, nach 8 Stunden ! Fahrt endlich um 3:30 in Dali angekommen, hieß es dann es gibt jetzt von dort noch keinen anderen Bus weiter, bleibt noch liegen und schlaft 3 Stunden. Trotz Enge ging das dann wirklich gut im stehenden Bus. Warum der nicht erst drei Stunden später losgefahren ist weiß keiner so genau, vielleicht, damit er noch im Hellen besser die schlitterigen vereisten "Straßen" sehen kann. Nacken-, Hüft-, Kopf-, Knieschmerzen sagten uns schließlich, nehmt den Flieger nach Xishuangbanna (西双版纳). Gesagt getan, um 9 Uhr morgens kauften wir ein Ticket für 3 Uhr nachmittag, reicht noch dicke um uns mit dem Taxi hier in Dali an die wichtigsten Orte fahren zu lassen.
Dali
Die Landschaften um Dali sind schlicht umwerfend. Berge im Hintergrund, hier ein riesiger See, dort arbeiten einzelne Bauern auf ihren Feldern. In China benutzen Bauern keine Maschinen, alles geht von Hand. Noch einen Dali-baba essen. Nach dem Lijiang-baba, dem Brat-baba und dem wieauchimmer-baba. Klartext, das ist eine Art Brot oder Kuchen, je nach Ort verschieden. Einer war sogar ohne Öl!!! Zum Flughafen. Treffen wir nicht unseren Zeitungslektürelehrer aus Beijing? Den mögen wir gerne, der ist eigentlich schon pensioniert, macht aber wegen Spaß und Können noch ein wenig Unterricht. Wir zeigen ihm die Fotos auf unseren Digicams und unterhalten uns noch gut.
Innerhalb der Provinz Yunnan: aus der Eiseskälte in die tropische Hitze
Im Flugzeug, wir hören das Wetter. Xianggelila minus 10 Grad, Jinghong plus 27 Grad. Jinghong (景洪) ist unser Flugziel. Hört sich mal gut an, aber wir glauben es noch nicht so richtig. Ein Schritt aus dem Flugzeug aber genügt, und die Mundwinkel sitzen gleich zwei Zentimeter höher, hier sind wir doch mal wirklich im Sommer, dort wo wir eigentlich hinwollten. Das mit der Kälte war ja gar nicht geplant und etwas überraschend, die Himalayas spontan entschieden. Doch hier fängt das Leben wieder an :-)
Teil 2: Der Süden Yunnans - Xishuangbanna
26.1.05
Erste Tage in Xishuangbanna (西双版纳)
Aaahhh, Füße hochlegen und entspannen... ...nach einem einwöchigen irren Trip durch Schnee und Eis und fürchterlichen Hotzelbussen.. ..jetzt lassen es sich Karen und ich erstmal gutgehen bei Reisfeldern und Sonne :-))Jinghong
Wir fragen einen Kioskverkäufer, wo es billige Hotels gibt. Nach einigem Nachdenken gibt es gleich eins um die Ecke, an dem wir eigentlich schon unbewusst vorbeigegangen sind. Man sieht nur ein kleines Eingangstor. Drinnen ein riesiger Palmenpark. Klar gibt es Fünferzimmer ! , 20 Kuai(2€) pro Person, der normale Preis. Hier lässt es sich aushalten. Zum erstenmal seit langem nicht mehr frieren in der Nacht, auch wenn keine Heizdecke im Bett liegt. Ein einsamer Moskito versucht mich zu beißen in der Nacht, doch dem wird mit etwas Autan abgeholfen. Zur Not hat jedes Bett auch Moskitonetze. Wir schlafen gut wie nie! Marco erhält einen Dämpfer von Fu Huei "morgen stehen wir nicht vor 9:30 auf". Die erste Dusche seit Tagen. Wieviel Einfluss hat das Wetter auf den Menschen? Mir jedenfalls haben die 15 Grad Unterschied zu Dali und die 30 Grad zu Xianggelila deutlich bessere Laune verschafft, das Kopfweh verscheucht und nach ein paar Tagen auch den Magen wieder aufgeräumt. In Xishuangbanna, so heißt die Region im Süden Yunnans, kann man sich sehr gut ausruhen.Elefanten. Außerdem alles einkalkulieren
Am nächsten Tag hieß es wilde Elefanten gucken. Marco bestand unbedingt darauf dass wir unsere Sachen nehmen und uns dort ein Hotel suchen. Bis jetzt haben wir noch keine zwei Nächte hintereinander im gleichen Hotel verbracht, immer auf der Jagd.. So langsam mehrt sich das Murren, na gut man muss sich mal nach dem und mal nach dem richten beim Reisen. Dort im subtropischen Regenwald angekommen gab es jedoch nur horrend teure Zimmer für 180-480 Kuai. Nee, Gepäck sicher wegschließen, ein paar Stunden Laufen, Cablecar und dabei immerhin 3 freie und einen nicht so ganz freien Elefanten sehen, das reicht auch. Wir also wieder alle zurück am Abend und ins gleiche Zimmer eingecheckt.
Die Hotzeltour geht weiter: auf einer "Autobahn"
Am nächsten Morgen planen wir einen mehrtägigen Trip, diesmal nur mit sehr wenig Gepäck, was sich als gut herausgestellt hat, denn hier ist es noch heißer als in Jinghong. Hauptsache Sonnencreme und Autan. Doch die Busfahrt steht erst noch bevor. Angeblich ist die Straße nicht so gut.
Jetzt wissen wir was das heißt: ein festen Sand-Lehmweg mit spitzen Steinen so groß wie zwei Fußbälle. An manchen Stellen wäre man wirklich schneller gelaufen. Ein paar interessante Eindrücke bekommt man immerhin auf dem Weg. Alles Grün! Viele Reisfelder. Die Häuser sehen hier gar nicht chinesisch aus, Holzstämme und schwarze Ziegel aus Torf oder ähnlichem. Die Leute sehen anders aus und sprechen nur wenig Putonghua, dafür mehr ihren thailändisch klingenden Singsang. Das einzige was hier chinesisch ist, ist die Regierung. Wie auch immer, der Bus hotzelt und hotzelt, ganze 5 Stunden dauert die Fahrt. Da kommen auch die Nackenschmerzen und alle anderen Übelkeiten wieder hervor und ich fühle mich schlecht und müde wie nie. Angekommen, nee, da führt heute kein Weg mehr hoch auf diesen Berg. Karen und ich mieten uns in ein Hotel ein, schönes sogar.
Damenglong
Ja, im Moment sind wir noch zu zweit. Tamaki ist zurück nach Beijing geflogen und wird auch bald nach Japan zurückkehren, Mareike hat unsere Gruppe sowieso schon nach kurzer Zeit verlassen, gestern haben wir Marco, Fu Huei und Kalle alleine auf ihren 50km-Track geschickt um uns erst mal auszuruhen. Doch morgen werden wir sie vielleicht wieder einholen, denn es ist uns nach langem Suchen gelungen ein paar mietbare Fahrräder aufzutreiben. Der Ort hier heißt Damenglong (大勐龙) und liegt ganz im Süden von China, nahe der Grenze zu Myanmar/Burma. Die Fahrräder vermietet ein alter Mann, der statt Zähnen nur noch eine Metallschiene im Mund hat, keine Ahnung wie der damit isst. Im hintersten Eck der Stadt, nur zu finden durch den Hinweis im Lonely Planet. Ansonsten kann man hier nur Motorräder und Motorroller mieten und kaufen, Fahrräder fahren hier nur ganz wenige. Das schöne hier ist, das alles so unchinesisch ist. Die Leute so entspannt und freundlich. Schöne Landschaften, nicht so gestopft mit Leuten, Wetter ist einfach klasse. Morgen früh geht es weiter mit dem Fahrrad, dieselbe Tour wie die anderen im Prinzip, vielleicht mal kurz mit dem Schal winken wenn wir an unseren Jungs vorbeiziehen :-) Soweit der Plan…
28.1.05
Die unglaublichste Fahrradtour der Welt
Die Reise geht weiter und nach zwei Tagen hunderttausender Erlebnisse sind Karen und ich wieder zurück in Damenglong (大勐龙). Heute gab es Regenwald zu sehen, vom feinsten. Doch von vorne.
Gestern morgen machten wir uns mit unseren gemieteten Fahrrädern auf den Weg. Bis jetzt noch unahnend warum hier eigentlich keiner Fahrräder mieten will, dieser eine alte Mann mit ganzen drei Fahrrädern für eine ganze Stadt hätte uns ja auch gleich verdächtig vorkommen müssen, was es ja auch tat, doch ohne die nötigen Schlüsse daraus zu ziehen. Der Weg war also eine Katastrophe. Es ging eigentlich so weiter wie auf der Busfahrt vorher, nur mit dem Fahrrad, schlechten Bremsen und unbequemen Sattel. Doch der Anblick der Felder, der Dörfer und Hütten, der Bauern und Kinder war umwerfend. So richtiges Land, doch schön kultiviert mit Terrassen und Unmengen Reis.
Der Terrassenbau funktioniert wohl so, dass die Felder (2-200qm) auf unterschiedlicher Höhe liegen, so 3-100cm Unterschied. Am Rand ist immer ein kleiner Damm, um alle Felder zusammen außenrum fließt Wasser. Das Wasser fließt auch in das oberste Feld rein, von dort am anderen Ende wieder in das nächste Feld. Zuviel Wasser im Umlauf fließt wieder ab, denn in den Dämmen sind ab und zu auf bestimmte Höhe getrimmte Löcher. So steht in Hunderten von Feldern immer ungefähr gleich viel Wasser und dort stehen dann die kleinen Reissetzlinge drin. Ab und zu läuft eine Bäuerin vorbei und streut weißes Pulver herum. Ansonsten wird abgewartet und scheinbar irgendwann geerntet... Zurück zum Fahrrad. Vorbei an kleinen Dörfern, überall erzählen uns die Leute von den drei Jungs, unseren Jungs, die zwei Tage früher schon hier durchgekommen sind. Kleines Ereignis. Natürlich werden auch wir gehörig angestarrt. Doch scheinen schon mal ab und zu einige Touristen durchzukommen, denn wenn die Laowai (老外 Ausländer) mal die falsche Abzweigung wählen, kommt gleich ein 20jähriger "xiaohuozi" (小伙子 Bengel) mit seinem Motorrad angefahren, um uns auf den richtigen Weg hinzuweisen, den alle Laowais gehen. Um halb eins wird die Hitze so drückend dass wir für zwei Stunden eine Pause im Schatten einlegen müssen. Wir treffen noch eine andere Australierin, die war sogar sehr nett. Zu Fuß unterwegs, doch zwischendurch auch mal auf einem der Motorräder mitgehitcht. Es kommen jede Menge Motorräder mit jungen Chinesen vorbei. Die Straße ist jetzt kleiner und wenigstens die großen staubigen Trucks sind verschwunden. Weiter gehts. Kommt uns vor wie eine Ewigkeit, immer bergauf und eigentlich schieben wir mehr als dass wir auf den Rädern sitzen, denn die "Straße" hat mehr Löcher und Wasserläufe als Weg. Um uns herum wird das Grünzeug immer dichter, ein herrlicher Ausblick auf einen Fluss zwischen Steinen. Wasser kaufen, ein paar leckere(!) Bananen einwerfen. Die Leute widersprechen sich völlig wenn es darum geht wie weit es noch bis da und dort ist, doch das sind wir von China ja gewohnt... Unser Ziel ist ein Wasserfall. Dort wollen wir dann ein Hotel o.ä. suchen zum Schlafen und am nächsten Morgen zurückfahren. Doch dann heißt es noch 20km und wir kommen eh kaum vorwärts. Das nächste größere Dorf reicht uns auch.
Angekommen - fast. Nur noch ein 4 Meter breiter Fluss trennt uns von dem Dorf. Eine kleine Brücke befindet sich etwas abseits, das heißt 5-6 Bambusstangen, lose zusammengebunden, liegen da über dem Fluss. Ich rette schonmal meine Tasche mit der Kamera balancierend herüber, doch das Fahrrad lässt sich hier nicht so leicht rübertragen. Doch da kommen uns ein paar Dorfbewohner auch schon zur Hilfe, mit Flipflops an den Füßen haben sie die Räder ruckzuck rübergetragen. Noch ein paar Meter. Ein Motorradfahrer stoppt und fragt ob wir bei ihm wohnen wollen. Wievel das kostet, ach das haben die hier nicht so, jeder kann geben was er will. Na gut. Er führt uns zu der Hütte.
Das Dorf besteht aus etwa 200 Hütten, alle auf Mauersockeln gebaute Wohnungen mit Bambuswänden und schwarzen (Ziegel-?)Dächern. Wege aus Lehm und Sand. Außerdem gibt es an ein paar Stellen "fließend" Wasser: vom Fluss wird einfach ein kleiner Teil des Wassers in Bambusrohrhälften zwischen die Häuser geleitet, wo es dann aus 1 Meter Höhe aus der "Leitung" herauskommt und als kleiner Bach sich schon wieder irgendwie seinen Weg in den ursprünglichen Fluss suchen wird. Tiere gibt es hier jede Mengen, Hühner, schwarze Schweine, Hunde. Laufen alle recht frei und fröhlich im Müll pickend herum. Die schwarzen Häuser stehen also da, zwischen Palmen und anderem Grünzeug. Sehr erfrischend. Im Haus bekommen wir Essen und Tee. Am Abend kommen noch Freunde, die nichts zu tun hatten und 5 Stunden aus dem nächsten Dorf hergelaufen sind. Laufen ist hier sowieso ganz normal. Die Freunde wollen unbedingt noch Bier trinken, doch Karen und ich halten uns etwas zurück aus dem folgenden Grund: es gibt eine Toilette in dem Dorf, die liegt etwa 30m weit entfernt. Will man nicht unbedingt so nachts ohne Licht hinlaufen. Elektrizität wird aber bald kommen. Der Fernseher und DVD-Player stehen schon bereit. Mein Handy klingelt. Daraufhin will der Hausbesitzer mein Handy kurz ausleihen um ein Gespräch zu führen, tut er auch. Außer mir schein in der Runde keiner ein Handy zu besitzen.
Der Mann ist von Beruf? Naja er baut halt sein Haus, antwortet er mir. Angefangen hat er in einer Strohhütte, jetzt hat er ein Holz-Bambus-Haus auf Sockeln aus Backsteinen. Und seit 2 Monaten ein Motorrad. Wir schlafen auf dünnen Matratzen, die auf dem Holzboden liegen. Man kann die "Wasserleitung" neben dem Haus hören, denn das Wasser fließt ja 24 Stunden lang. Es hört sich an als ob es schüttet, doch der Himmel ist klar. Wir schlafen in einem Dschungelhaus aus Bambus und Holz, ein Haus das nur einen 1.Stock und kein Erdgeschoß hat, damit uns nachts keine Tiger angreifen. Wasserrauschen. Am Abend sahen wir noch einen Berg in Flammen, die haben wohl das Stroh auf den Felder verbrannt. Es riecht noch etwas nach Brand und viel nach Dschungel. Wir schlafen wie ein Stein, bis es morgens langsam dämmert.
Am Morgen geht das Abenteuer weiter. Wir sitzen hinten auf den Motorrädern und los geht es. Helm? Keine Rede davon. Mit Flipflops und Zigarette wird hier gefahren. Trotzdem kann man sich relativ sicher fühlen. Die Leute fahren die Strecke jeden Tag, Gegenverkehr gibt es fast keinen. Die einzigen Hindernisse sind ein paar Sandlöcher und einige zu durchquerende Flüsse. Wir fahren also los, mit dem Ziel des Wasserfalls. Später sagen sie uns, dass sie eigentlich auch zum erstenmal dort waren. Die Fahrt dauert etwa eine Stunde. Wir sehen Bergeweise Wald, der aussieht wie riesiger Brokkoli der schon etwas älter ist, denn hier und da stehen auch ein paar helle Bäume. Alles ist grün und dicht bewachsen, Lianen. Regenwald. Es riecht herrlich. Wenn der Typ nicht gerade am Rauchen ist... Ein manchmal roter, manchmal gelber Weg führt durch den Wald. Der Weg ist ursprünglich breit genug für Autos oder Trucks, doch der Wald holt sich seinen Weg schnell wieder. Ein unvergesslicher Trip. Am Wasserfall. Eigentlich fahren wir dem Fluss nach, stellen irgendwann die Motorräder ab und laufen zu Fuß weiter. Da kommt er auch schon, zwischen Felsen hervor, ein nur schmaler aber einige eindrucksvolle Meter hoher Wasserfall. Wir waten barfuß durch das steinige Flussbett und das Dschungelgebüsch an der Seite. Natur pur.
Der Rückweg ist etwas mühsamer. Ohne die lästigen Fahrräder hätten uns die Leute einfach mit dem Motorrad zurückgebracht, denn sie müssen eh einkaufen gehen in die Stadt. So fahren wir noch 3 Stunden über Stock und vor allem Stein, doch diesmal bergab. Weniger Tretarbeit, dafür umsomehr Probleme die Räder zu bremsen, mit (nicht so toller) Bremse und Fuß... Im großen und ganzen keine Straße für Fahrräder. Oder überhaupt irgendwelche Fahrzeuge außer Motorrädern. Zum Teil sind wir auf der "Autobahn" gefahren, unheimlich kaputt und viel schlechter als bei uns die schlechtesten Feldwege.. Doch wir sind angekommen, schwarz vor Dreck (so wie die Pflanzen am Straßenrand hier immer), doch immerhin wieder zurück in Damenglong. Zwei super Tage, viel gesehen und erlebt. Jetzt „freuen“ wir uns schon wieder auf unseren Hotzelbus ;-)



