Xinjiang

Xinjiang, die autonome Region im Westen Chinas

13.07.05

Das liebe Geld...

... ist gar nicht so einfach zu kriegen hier in Xinjiang. Gewöhnt, dass man in jeder Ecke Chinas bei der Bank of China (中国银行 zhongguoyinhang) mit der EC-Karte Geld abheben kann, bringen wir natürlich nicht bündelweise Bargeld mit. Fast alles was wir dabei haben, geht schon am ersten Tag für das Rückflugticket drauf. Jetzt stehen wir da ohne Geld, in Xinjiangs Hauptstadt Ürümqi (乌鲁木齐 wulumuqi). Kein Bankautomat oder -schalter in ganz Ürümqi will uns Geld geben. Kreditkarte haben wir alle schludrigerweise bei unserem überstürzten Abmarsch aus Beijing, nach der Klassenparty abends zu vor, dortgelassen. Kriegsrat. Wir könnten auf der Straße schlafen, es ist ja warm. Essen ist hier äußerst billig. Nur braucht man fürs Reisen, die Eintritte und den Transport ja auch immer noch was. Gut, dass wir Elena hatten, sie fand schließlich die Lösung. Sie hatte schonmal was von Western Union gehört. Und das funktioniert auch, und zwar bei unheimlich vielen Banken auf der ganzen Welt. So kann man von Deutschland aus in wenigen Minuten Geld selbst nach Ürümqi schicken – und wir waren gerettet.

17.07.05

Kashgar (喀什 kashi), den Uighuren zufolge die Hauptstadt Xinjiangs

Wir sind im Moment in Kashgar(喀什 kashi), das ist ganz nah an den Grenzen zu Tadschikistan, Kirgistan, Kasachstan, Pakistan usw. Hier in dem Ort selbst sind Hanchinesen echt mal eine Minderheit. Die Uighuren sprechen viel weniger Chinesisch als wir, bis hin zu gar nicht. Warum das hier zu China gehören soll weiß ich auch nicht. Unser Leben hier - jeden Morgen erst mal gemütlich ausschlafen (wir haben schließlich zwei gemütliche Italienierinnen dabei), dann loslaufen, mit oder ohne Ziel, Taxi kostet auch nur 5 Kuai nach überall. Morgens 9 Uhr Ortszeit (11Uhr Beijingzeit). Die Sonne brennt bei 35 und mehr Graden. Der Hunger kommt immer ganz plötzlich, vor allem wenn man man sich gerade mal im Schatten ausruht. Also Essen, da gibt es hier immer Lamm-Grillspieße (羊肉串 yangrouchuan) und Nang (馕 Fladenbrot) Oder öligen Reis mit Möhrenstückchen (抓饭 zhuafan). Oder Gezogene Nudeln (拉面 lamian) mit leckerer Fleisch-Gemüse-Stücke-Soße. Und Melonen (西瓜xigua, 香瓜xianggua, 甜瓜tiangua) soweit dass Auge reicht, am liebsten die rote Hamigua (哈密瓜). Mhmmm.

 

Heute, Sonntag, schauen wir uns Chinas größten Bazar an. Für morgen haben wir dann eine 3-Tage-Tour gebucht, zum Karakulisee und nach Tashkurgan im Pamirgebirge. Wir haben zu viert einen Jeep inkl. uighurischem Fahrer gemietet (ja, doch wir werden einen Han-Chinesen angedreht bekommen). Nach dieser Tour geht die Planung so weiter: in Richtung Taklimakanwüste, mit Ruinen von alten Stationen der Seidenstraße, Oasen, Transdesert Highway und islamischen Zentren wie z.B Hotian. Ein fast schon arabisches China!!



20.7.05

Tashkurgan (Alte Steinstadt)

 

Wir sind erstmal zurück von der Reise bis knapp nach Pakistan. War überall sehr kalt und jetzt weiß ich auch dass man ab 4000meter Höhe automatisch alle paar Stunden Kopfweh bekommt, immer dann wenn gerade die Wirkung des letzten Aspirins nachlässt ;-) Wir hatten jedenfalls eine Menge Spaß, außerdem noch in Tashkurgan (Alte Steinstadt) einen Freund getroffen, der an der Beiwai Deutsch studiert. Er ist zufällig in Tashkurgan zuhause und gehörte der Tadschiken-Minderheit an. Zusammen mit ihm und seinen Kusins und Kusinen sind wir dann mit dem Jeep (吉普车 jipuche) rumgefahren und sie haben uns die Umgebung gezeigt. Heute geht es weiter mit dem Sleeperbus nach Hotian. Von dort Richtung Wüste.



24.7.05

Von Wüstendurchquerung und Treibsandseen

 

Wir haben mittlerweile die Wüste durchquert. Naja, viel Sand eben und eine gut befestigtes Straße mittendurch. Wir haben im Sand gesessen, sind Sandberge runtergerutscht und über Dünen gerannt, danach weitergefahren. Insgesamt 14 Stunden unterwegs in einem VW Santana (mit Klimaanlage...) Am interessantesten auf der Reise sind aber die Menschen die man hier trifft. Für die Befestigung der Wüstenstraße gibt es unter anderem einen Grünstreifen rechts und links der Fahrbahn, der mit kilometerlangen Schläuchen bewässert wird. Für die Unterhaltung dieses Bewässerungssystems gibt es entlang der Straße insgesamt knapp 100 einsame Pumpstationen, auf denen ja auch jemand arbeiten muss. So wird je ein Ehepaar aus verschiedensten ärmeren Gebieten Chinas rekrutiert, um 9 Monate lang eine Pumpstation zu betreuen. Diese ganze Zeit lebt das Paar also dort in einem kleinen Häuschen. Essen wird alle drei Tage vorbeigebracht. Die restlichen drei Monate ist in der Wüste Winter, es herrscht Eiseskälte und liegt Schnee. Der Grünstreifen vergeht und wird im Frühling neu aufgezogen. Wir halten unterwegs an zwei solcher Stationen und werden freudig begrüßt. Abwechslung für die Leute bei ihrem kargen Leben. Sie drängen uns, ihnen ihre Wassermelonen wegzuessen, und wir fahren bald wieder weiter. Irgendwann müssen wir wohl hundemüde angekommen und in ein Hotel gelangt sein. Der Aidinghu ist der zweitniedrigste See der Welt. Dort soll es angeblich etwas kühler sein :) Weit gefehlt. Zuerst werden wir im nur mit äußerst dürftiger Klimaanlage ausgestatteten Auto gegrillt, dann will sich uns der See erst gar nicht zeigen. Als wir aus dem Auto steigen, sehen wir den See nur in weiter Ferne. Wir laufen ein paar Meter in Richtung See. Plötzlich schreit Marco auf. Er ist mit beiden Füßen in den Treibsand eingebrochen. Der See ist also unter unseren Füßen! Mit unserem wertvollen Trinkwasser lassen wir Marco seine Beine, Füße und Schuhe waschen, denn an der Haut juckt alles und in den kleinen blutenden Rissen beißen Salz und Schwefel des vertrockneten Sees. Nichts für schwache Nerven. Wir fahren so schnell wie möglich wieder zurück, um der Hitze und dem bösen See zu entkommen.

 

Turpan (吐鲁番 tulufan) und das Traubental (葡萄沟 putaogou)

Nun sind wir in Turpan (吐鲁番 tulufan), Nähe Ürümqi (乌鲁木齐 wulumuqi). Der heißeste Ort in China. Jetzt im Juli von morgens bis abends über 40 Grad. Puh! Hier in der Nähe gibt es das berühmte Traubental (葡萄沟 putaogou). Dort sehen und probieren wir kiloweise Trauben und getrocknetes Obst. Auch Rosinen gibt es in hunderten von Sorten. Ein Teil der Rosinen ist gar nicht so eklig süß wie man das von unserer in Europa einzigen erhältlichen Rosinensorte gewohnt ist. Es gibt schwarze, grüne, gelbe und rötliche Rosinen, große und kleine, männliche und weibliche(d.h. mit oder ohne Kerne). Das sonstige getrocknete Obst aus Xinjiang ist ebenfalls eine wahre Spezialität. Die kleinen getrockneten Feigen sagen uns am meisten zu. Alles niegesehen und lecker.
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