Beiwai

Leben und Unterricht an der Beiwai (Beijing Waiguoyu Daxue)

Meine Klasse D2 im Wintersemester 2004/05


Meine Klasse E1 im Sommersemester 2005


23.9.04: Guangdonghua

Heute hatten wir zum erstmal unser Wahlfach Guangdonghua (广东话), also Kantonesischunterricht. Viele Studenten und ein lustiger kleiner Chinese vorne. Die meisten von uns hatten das Buch noch nicht gekauft (im Büro hieß es, wir sollen erst mal die Stunde angucken, weil man die - 22 Kuai teuren Bücher - nicht zurückgeben kann). Daher haben wir einfach Musik gehört, der Lehrer hat den Text vorne an die Tafel geschrieben. In chinesischen Zeichen, versteht sich. Die Unterrichtssprache ist Chinesisch. Also, von den Zeichen hab ich auf Chinesisch schon mal nur wenig verstanden. Wir lasen den Text erst zusammen auf Hochchinesisch, dann auf Kantonesisch, dann zum Mitsingen. Ruck zuck war die Stunde vorbei und ich dachte nur, bitte nochmal!! 24.10.04

Fleißige Chinesen am Abend

An diesem Wochenende kann ich von keinem aufregendem Ausflug erzählen, manchmal muss man sich ja auch mal ausruhen, oder was lernen, oder neue Leute kennenlernen :-D Ich muss euch aber von heute abend erzählen. Zhongyuan (种原), eine Deutschstudentin aus dem 2. Jahr, hat uns, Mareike und mich, zu einer freiwilligen Diskussionsrunde eingeladen. Das sieht so aus: ein Dutzend Studenten treffen sich abends um halb 7 im Klassenraum. Drei Deutsche als Special Guests sind auch dabei. Zhongyuan übernimmt die Leitung und ich fühle mich wie im Unterricht. Wir sollen Gruppen bilden und zu den Themen „Ideale Erziehung“, „Jugendliche in Wirklichkeit“ und „Erwachsene unter sich“ kleine Rollenspiele vorbereiten. Es ging gerade so auf, dass in jeder Gruppe eine Deutsche sein konnte, und los geht es. Die Chinesen haben erst 1 Jahr Deutsch gelernt und können sich schon super ausdrücken. Mit unserem Chinesisch können wir da kaum mithalten. Also Deutsch. Nach der Vorbereitungsphase von 10 Minuten wird das kleine Theaterstück vorgetragen, 5 Minuten lang. Am Ende folgt eine Diskussion, die Zhongyuan anregt und einen Haufen Fragen stellt. Alle machen begeistert mit und Mareike und ich können nur an unseren Konversationsunterricht in Heidelberg zurückdenken, wo entweder nur wenige Leute gekommen sind, oder nach wenigen Sätzen keine Lust oder keine Ideen mehr hatten, alles etwas träge vor sich hindümpelte und der Lehrer immer wieder die Anreize geben musste. Aber hier, die Studenten treffen sich, abends um eine Zeit, zu der sich in Deutschland niemand freiwillig ins Klassenzimmer begeben würde. Zumal Samstag abend. Man achte auch auf Fragen, die während der Diskussion aufkommen. Es ging darum, wie man Kinder am besten erzieht und wieviel sie lernen sollen. Wir als Westler haben erstmal den Standpunkt vertreten, dass das Kind am Nachmittag Freizeit zum Spielen haben soll. Die Chinesen konntern sogleich mit dem Argument, dass es so viel zu lernen gibt und dass man früh anfangen muss, weil man das sonst nie alles schaffen kann. Nachdem man im Kindergarten schon Mathematik, Chinesisch und Englisch gelernt hat, kann man doch in der ersten Klasse schonmal die Anforderungen vor allem in Mathe etwas heben. Und, Schule von morgens um 8 bis abends um 5, natürlich muss man danach noch Hausaufgaben machen! Was denn eigentlich die Kinder in Deutschland dann den ganzen Tag und das ganze Wochenende machen? Nur spielen? Wird ja langweilig.. In der chinesischen Kultur scheint das Lernen von klein auf tief verwurzelt zu sein. Das zeigt auch der Drei-Zeichen-Klassiker, Sanzijing(三字经), den ich im Moment versuche zu lesen. Dieser Klassiker wird normalerweise in der Mittelschule erarbeitet und auswendig gelernt. Er ist vielleicht das chinesische Äquivalent zu unseren Märchen. Allerdings, die darin erzählten Geschichten handeln ausnahmslos von fleißig lernenden Kindern, die später berühmt und weise werden, von nichtlernenden Kindern, die keinen Platz in der Gesellschaft erreichen, von untauglichen Lehrern, die nicht streng genug zu den Kindern sind. Genau wie Jade eben erst geschliffen werden muss um zu Schmuck zu werden, muss das Kind erst lernen um eine höhere Moral zu erreichen. Vorhin bei der Diskussion kamen wir auch auf die Studenten zu sprechen, dass das Studentenleben im Westen oft als die beste Zeit im Leben angesehen wird, mehr als Partyzeit und spät aufstehen, mit Freunden weggehen und nach hier und da gucken. Nicht so in China. Viele Studenten haben abends auch noch Unterricht, wenn nicht, dann finden sich trotzdem noch einige im Klassenzimmer ein, um zu studieren. Fleißig wie kleine Heinzelmännchen. Ob die Studenten im Westen nicht Angst vor der hohen Arbeitslosigkeit haben, und sich nicht so viele Sorgen um ihre Zukunft machen, dass sie sofort anfangen müssten sich ordentlich anzustrengen? So bohren die Fragen, auf Deutsch von Studenten die erst ein Jahr Deutsch gelernt haben. Sie wollen alle etwas mit ihrem Können anfangen, wollen über ihre Zukunft sprechen und wie sie das beste daraus machen können. Da sitzt man jedoch nun dabei und sieht sein faules Leben an sich vorüberziehen. Wir werden langsam müde, doch als die Diskussion vorüber ist, wollen die interessiertesten Chinesen am liebsten noch stundenlang mit uns weiterreden. Nach dem Schock brauchten Mareike und ich erst mal ne Pause, einen Haufen Erdnüsse und Kekse, auf unseren blauen Plastikstühlen am Kiosk sitzen. Aber anscheinend ist das Deutschinstitut hier wirklich eines der besten in China. Die durchschnittlichen Englischstudenten die uns hier begegnen kriegen meistens nur sehr wenig Englisch heraus. Auch in Finnisch und Französisch scheint das Maß nicht ganz so hoch zu liegen. Die Deutschlernenden stechen da heraus. Der eine sagte auch, das Deutschinstitut wäre wohl das beste in China. Naja, diese Behauptungen nimmt man normalerweise nicht so für bare Münze, weil das prinzipiell immer sehr viele Chinesen von sich behaupten, die Nummer eins in ganz China oder der ganzen Welt zu sein. Immerhin, Mareike und ich haben uns tapfer durch die Diskussion geschlagen und es war wirklich sehr nett, in zwei Wochen sind wir wieder eingeladen. Warum nicht?

14.01.05: kleine Party im Klassensaal...

Hier aus Beijing fängt jetzt nach den Klausuren so langsam wieder das Leben an :-) Jetzt heißt es, mit vielen Chinesen Parties zu feiern... Naja, heute abend waren wir eingeladen im Klassensaal des 3.Semesters der Deutschstudierenden. Ein paar Kinderspiele, dazu Limo und Knabberkram.


14.01.05: Wie chinesische Studenten wohnen

Qiao und ich waren noch in ihrem Zimmer. Und höre und staune, die Chinesen wohnen in moderneren Gebäuden als wir! Qiao sagte, sie hatte Glück, denn als sie anfing zu studieren wurde gerade das neue Wohnheim fertiggestellt und ihr ganzer Jahrgang wohn jetzt komfortabel. Immer noch 6 Studenten zusammen auf einem Zimmer, dafür schicke Hochbetten, jeder hat seine eigene Ecke und seinen eigenen Schreibtisch, Platz zum Sich-ausbreiten. Wenn ich dagegen bei uns in den Keller gehe, da wohnen auch Chinesen, zu sechst in einen kaum halbsokleinen Raum zusammengepfercht und von wegen Schreibtisch! Lernen kann man ja schließlich auch im Klassenzimmer. So wohnte auch Lisa, die Opernsängerin. Im Keller eines Wohnheims, sagt sie, kann man umso besser lernen. Die Miete beträgt weniger als ein Hundertstel von meiner Miete im chinesischen Studentenwohnheim. Apropos Zimmer. Ein Gemeinschaftsraum fehlt hier gänzlich. Wenn man sich mit Chinesen zum Lernen trifft und es schon dunkel ist kann man nirgens hin, im Zimmer will man ja nicht seinen Mitbewohnen stören, Gemeinschaftsraum gibt es nicht, bleibt nur das Foyer, wo eine einzige unbequeme Holzbank ohne Tisch steht. Da verliert man doch die Lust am Lernen! Aber was solls, wird halt nicht gelernt :-)

Wie wir ausländischen Studenten wohnen

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